
Horst Köhler ist von der Bundesversammlung zum Nachfolger von Bundespräsident Rau gewählt worden. Mit 604 von 1204 Stimmen hat Herr Köhler im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht. Obwohl die Union und die FDP insgesamt 622 Deligierte in die Bundesversammlung schicken durften war der Ausgang der Wahl keinesfalls gewiss. Denn die Kandidatin der SPD und der Grünen, Gesine Schwan, warb in den letzten Wochen mit Optimismus für ihre Kandidatur. Sie erhielt immerhin 589 Stimmen, mindestens sieben Wahlfrauen oder Wahlmänner von der Union/FDP haben also die Seite gewechselt. Neun Enthaltungen und zwei ungültige Stimmen ließen den Vorsprung Horst Köhlers weiter schrumpfen.
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der die Wahl leitete, sorgte für lockere Stimmung und Belustigung unter den Deligierten: So sprach er die Kandidatin mit "Herrn Professor Gesine Schwan" an, die über den Versprecher herzlich lachte, und vergaß nach der Abstimmung, dass Herr Köhler noch eine Rede halten würde.
Horst Köhler löst den amtierenden Bundespräsidenten Johannes Rau zum 1. Juli ab. Er ließ durchblicken, dass er öfter seine Meinung zur Politik in Deutschland sagen wird. Deutschland müsse ein Land für Kinder werden, in dem Familie und Beruf vereinbar sind, kündigte er in seiner Rede vor der Bundesversammlung an. Er kritisierte auch die Wirtschaftspolitik Deutschlands. Der Bundespräsident hat nach dem Grundgesetzt keine Kompetenzen sich in die Politik der Bundesregierung einzumischen, dennoch haben seine Worte hohe Bedeutung, da er Deutschland repräsentiert. Übrigens hat Horst Köhler vor einigen Wochen den Kurs der USA im Irak kritisiert. Man darf gespannt sein, wie ihm, der kein Politiker und bis vor kurzem Vorsitzender des Internationalen Währungsfonds war, das höchste Amt in Deutschland gelingen wird.
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