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22.03.2004, 19:00 - Exekution

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Der geistliche Führer und Gründer der Hamas-Organisation, Sheikh Ahmed Yassin, ist tot. Yassin, der seit seiner Kindheit an seinen Rollstuhl gefesselt ist, wurde im Morgengrauen von Raketen eines israelischen Kampfhubschraubers überrascht. Zusammen mit seinen Leibwächtern kam er aus einer Moschee, als er von einer Rakete getroffen wurde. Von Lautsprechern der palästinensischen Moscheen aus wurde die Bevölkerung aufgerufen auf die Straße zu gehen. Reporter berichteten von zehntausenden Demonstranten. Fotos der Nachrichtenorganisation AFP zeigen bewaffnete Frauen und weinende Kinder.

Arafat verurteilt das Attentat und ordnet dreitägige Staatstrauer an. Die Führung der Hamas kündigt promt Vergeltung an Israel an: „Scharon hat die Pforten der Hölle geöffnet. Nichts wird uns daran hindern, ihm den Kopf abzuschlagen”. Erste Attentate auf jüdische Siedlungen bestätigen, dass die Spirale der Gewalt weitergeht. Zahlreiche islamische Organisationen senden Warnungen an Israel und die USA aus. Regierungschefs arabischer Länder sprechen von „Staatsterrorismus” und „Verbrechen” und gehen von einer Zunahme der Gewalt im Nahen Osten aus.

Europäische Länder, wie zum Beispiel Deutschland England und Frankreich, äußern sich "sehr besorgt" (Joschka Fischer), sagen, dass eine ”gezielte Tötung oder ein Attentat nicht gerechtfertigt" sei (Jack Straw) und verurteilen „jegliche Exekution außerhalb des Rechts” (Hervé Ladsous).

Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sagt, dass die USA nicht vorher über den Angriff auf Yassin informiert gewesen seien. Sie hebt den von der Hamas ausgehenden Terror hervor und hofft darauf, dass alle Seiten nun Ruhe bewahrten.

UN Generalsekretär Kofi Annan verurteilt die Ermordung Yassins und betont, dass dies den Friedensprozess nicht weiter voranbringe. Zudem verstieße sie gegen internationales Recht.

Die Hamas-Organisation ist 1987 von Yassin gegründet worden. Sie ist verantwortlich für zahlreiche Attentate in Israel. In der arabischen Welt wird sie allerdings oft positiv gesehen, als Verfechter der Unabhängigkeit Palästinas. Der arabische Fernsehsender Aljazeera beschreibt die Hamas neben ihrem bewaffneten Flügel als Wohltätigkeitsorganisation: Sie sei auch eine "social and welfare organisation handing out money to the poor".

Angesichts der konträren Positionen und der immer aufgeheizteren Stimmung im Nahen Osten scheint Frieden für die Menschen der Region immer unerreichbarer zu rücken. Tatsächlich bleibt nur zu hoffen, dass sich die Lage entspannt, was aber durch die festgefahrene Politik der USA, Israels und der palästinensischen Autonomiebehörde erschwert wird.


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