
Drei Wochen vor der "vollständigen Souveränität": Nach wie vor ist die Lage im Irak gefährlich. Über 13 Monate sind seit der Bekanntgabe des Endes der Kriegshandlungen im Irak durch US-Präsident Bush vergangen. Und es scheint seitdem die Zeit stehen geblieben zu sein. Denn immer noch sterben jeden Tag Dutzende Menschen im Irak. Es gibt Berechnungen, nach denen täglich zwei Soldaten der Besatzertruppen ihr Leben lassen müssen. Der Zivil-Bevölkerung wird entsprechend höher "geschadet".
Die Übergangsregierung, die letzte Woche endlich vorgestellt wurde, wird eine schwierige Aufgabe haben, wenn sie am 1. Juli "vollständige Souveränit" erhalten wird. Denn sie muss für Frieden im eigenen Land sorgen, da die Kämpfe im Irak gegen die ausländischen Truppen, die sicher noch über ein Jahr bleiben wollen, weitergehen werden. Hier liegt das Problem. Die Truppen der USA werden im Irak selber mit "vollständiger Souveränität" operieren. Neue Verstöße gegen die Genfer Konvention sind abzusehen. Dies wird den Widerstand der Bevölkerung sicher noch mehr verstärken.
Die Wahlen Anfang 2005 sind eine Chance und eine Gefahr für die USA. Endlich wird Demokratie im Nahen Osten einkehren - oder, so die Befürchtung, ein religiöser Führer oder ein antiamerikanischer Fanatiker wird gewählt. So gerne es die amerikanischen Strategen unter bestimmten Umständen nicht täten, die Wahlen müssen anerkannt werden. Bringen die Wahlen endlich Ruhe und eine funktionierende Demokratie, so kann aufgeatmet werden. Wenn nicht, dann geht das Chaos halt weiter. Soviel zur Zukunft des Iraks.
Das Verhalten der US-amerikanischen Soldaten im Irak, dazu gehört z.B. systematische Folter, Eindringen in die heiligen Wohnräume von Irakern, Kontrollen von Frauen und Ermodung unschuldiger Zivil-Bevölkerung, verschlechtert das ohnehin seit einigen Jahren stetig gesunkene Ansehen der USA in der arabischen Welt erheblich. Das Ziel sollte die Eindämmung des Terrors sein - das Resultat ist das Gegenteil. Immer mehr Selbstmordattenate gegen die "Westliche Welt" gibt es nun. Was muss als nächstes passieren, damit die USA langsam ein Gefühl dafür bekommen, dass sie als die beste Streitkraft der Welt diese nicht regieren können und sie eine Kehrtwende in ihrer Politik vollziehen müssen?
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