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30.03.2005, 04:16 - Ole von Beust - Portrait

Politik
Zwölf Redakteure von Schülerzeitungen hatten im Hamburger Rathaus Gelegenheit den Ersten Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zu interviewen. Organisiert wurde das Treffen von der Jungen Presse Hamburg e.V.

Mit fünf Jahren wird Ole schon eingeschult. Er ist somit fast zwei Jahre jünger als die meisten seiner Klassenkameraden und kommt sich meist als Kleinster der Klasse vor. Erst nach der Pubertät stellt der Alterunterschied kein Problem mehr für ihn dar. In der Schülerzeitung seiner Schule engagiert er sich. Die jungen Redakteure setzen sich mit der Frage nach der Notwendigkeit eines Cola-Automatens für die Schule auseinander sowie mit politischen Themen, wie etwa Aufrüstung oder Abrüstung. Nach seiner Meinung gefragt, gibt er zu, dass er wohl für den Cola-Automaten gewesen sei. Selbst auf Demonstrationen nimmt Ole teil. Er sagt aber von sich, dass er nie der große Demonstrant gewesen sei: „Da standen links und rechts die Leute und gafften.“

16 Jahre ist er alt und Mitglied in der CDU. Damit beginnt seine politische Karriere. Ole selber würde es gut finden, wenn sich viele Jugendliche politisch engagieren würden, allerdings sei das Sache jedes Einzelnen. Er wird Assistent der CDU-Bürgerschaftsfraktion, danach Vorsitzender der Jungen Union Hamburg. Er studiert Jura. Mit 23 Jahren wird er Abgeordneter der Bürgerschaft, womit er sein Studium finanzieren kann. Dies ist möglich gewesen, weil die Hamburgische Bürgerschaft nur Nachmittags tagt. Dann ist er als Rechtsanwalt tätig, steigt in der CDU weiter auf und wird Ende 2001 zum Bürgermeister von Hamburg gewählt.

Bei der Bürgerschaftswahl 2001 muss die CDU hohe Stimmenverluste hinnehmen. Nur durch die FDP und die neu gegründete Partei Rechtsstaatlicher Offensive (Schill-Partei), die fast 20% der Wählerstimmen erhält, reicht es überhaupt für die Bildung einer Koalition. Ende 2003 löst Ole von Beust die Regierungskoalition auf, nachdem sein Koalitionspartner Ronald Schill ihm eine angebliche Liebesaffäre mit dem Justizsenator vorhält und ihn damit erpresst haben soll. Am 29.Februar 2004 finden Neuwahlen statt. Mit dem Slogan „Ole - Alster - Michel“ gewinnt die CDU mit absoluter Mehrheit den Personenwahlkampf.

In diesem Zusammenhang ist die Macht und Verantwortung der Medien hervorzuheben. Die den Hamburger Zeitungsmarkt mit 85% dominierende Springer-Presse, bestehend aus Hamburger Abendblatt, Bild und Welt, macht 2001 populistische Werbung für Schill, den „Richter Gnadenlos“ (Bild). Zwei Jahre später wird dann „Ole-Superstar“ (Bild) ein wenig unter die Arme gegriffen. Parteienforscher reden später von einer Sympathiekampagne für Ole von Beust.

Und Ole hat an Sympathie und Popularität in Hamburg mächtig gewonnen. Kein Wunder bei der Unterstützung durch Kai Diekmann, dem Chef der Bild-Zeitung, mit dem er sich duzt. [2] Und wie gehen die Medien mit ihm aus seiner Sicht um? „Überwiegend positiv. Manchmal zu gut und manchmal zu schlecht.“ Über negative Berichterstattung würde er sich drei Tage ärgern, dann vergesse er so was aber immer schnell. Neben einigen Zeitungen, die der Bürgermeister jeden Tag kostenlos erhält - „Die Welt liegt immer im Treppenhaus“ - landet bei ihm das Hamburger Abendblatt auf dem Frühstückstisch. Die Frankfurter Allgemeine liest er Abends, aber nicht weil sie zu langweilig wäre, wie er scherzhaft betont. Viel und gerne liest er auch das Magazin der Spiegel.

Manchmal wünscht sich Ole, wenn zehn Fotographen ihn wieder umlagern, einfach nur Rechtsanwalt zu sein. Das hätte den Vorteil nicht immer unter Beobachtung zu stehen. Beim Einkauf im Supermarkt würde zum Beispiel eine Flasche Wodka, die aus seinem Einkaufskorb ragt, von anderen Kunden nicht sofort registriert werden. Manche sagten dann kumpelhaft: „Mitten in der Woche trinkt man doch nicht“, andere bestünden darauf ihm die Hand zu schütteln, doch die meisten wahrten freundliche Distanz, was ihm am liebsten sei. Ein Nachteil am Beruf des Politikers sei, dass viele Politiker zuviel redeten, wenn ihnen ein Mikrofon vorgehalten werde. Und „shit happens. Überall, wo viele Menschen zusammenkommen, haben Sie Intrigen.“ Der Unterschied zu den Intrigen in der Politik sei nur, dass diese am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen seien. „Das nervt natürlich“.

Geht Ole bald in in die Bundespolitik? „Lieber hier im kleinen Haus“ bleibt er, als in Berlin von einem klimatisierten Raum zum nächsten zu eilen. Und er genießt es, als Bürgermeister einen relativ großen Entscheidungsspielraum zu haben. Wobei auch er nicht allmächtig sei und glücklicherweise nicht alles tun könne, was er wolle. Was er in Hamburg aber kann, was in Berlin nicht möglich wäre, ist es seine Freunde zu sehen.

Freunde im Norden gibt es auch. Schon längere Zeit wird diskutiert Hamburg und Schleswig-Holstein als ein Bundesland zusammenzufassen. Ole ist auch dafür und obwohl ihm der Name für das neue Bundesland bisher egal ist, würde er als erstes zu der Bezeichnung „Nordland“ oder „Der Norden“ greifen. Allerdings strebt er die Verschmelzung aus diplomatischen Gründen nicht für den nächsten Tag an sondern rechnet vielmehr mit einem Termin in den nächten zehn, zwölf Jahren. Kleine Problemfragen wie Identitätsverlust der einzelnen Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein oder was die einflussreichen Bürger, Medien und Politiker zu dem Thema meinen, werden bis dahin hoffentlich geklärt sein.

Der Bürgermeister hält viel auf die Meinung seiner Bürger. Er schenkt ihnen mit seinem Lächeln Zufriedenheit mit der Gegenwart oder Hoffnung für die Zukunft. Seine Bürger sind mündig und bilden sich ihr eigenes Bild. Die Meinungen der Zeitungen eignen sie sich nicht automatisch an, davon ist er überzeugt. Hat der Leser dieses Artikels jetzt ein eigenes Bild von Hamburgs Ole gewonnen?


Wir bedanken uns für das offene Gespräch.
von Benjamin Harders

[1]: Junge Presse Hamburg e.V. [2]: Hamburgs heimliche Wahlhelfer Fotos: Junge Presse Hamburg e.V.
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