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Ganztagsschulen - Pro und Contra. Nach einer Statistik der Kultusministerkonferenz besuchen zehn Prozent der Schüler in Deutschland eine Ganztagsschule; das soll mehr werden. Als Konsequenz aus der Pisa-Schlappe fördert Deutschland zur Zeit Ganztagsschulen in großem Maße. In Hamburg sind die Ganztagsschulen und damit zusammenhängende Finanzierungs-Probleme zu einem Thema im Wahlkampf geworden.
Die momentane Regierung in Hamburg (CDU, FDP, Schill) setzt vor allem auf die Förderung von Gymnasien, muss aber, um die Fördermittel zu erhalten, selber investieren. Für 2004 hat die hamburger Behörde für Bildung und Sport aber „keinen Cent” für Ganztagsschulen eingeplant, wie die Spitzenkandidatin der GAL, Christa Goetsch, kritisiert. Britta Ernst, die in der SPD für Schule und Bildung zuständig ist, möchte „retten, was zu retten ist”, da die Schulsenatoren Lange und Soltau die vom Bund geförderten Ausbauprogramme „auf fahrlässige Art” liegen ließen. Schulsenator Soltau erklärt heute hingegen, dass Hamburg bereits „mehr als 17 Millionen Euro” in Berlin abgefordert habe. Wenn kein Geld im Haushalt für Ganztagsschulen vorgesehen ist, wird seine Behörde aber vermutlich auch keine Mittel vom Bund erhalten. Insgesamt stehen 66 Millionen Euro für den Ganztagsschulenausbau bis 2007 zur Verfügung. Bis dahin sollte es 88 Ganztagsschulen in Hamburg geben; gerade mal drei Schulen wurden aber pro Jahr, wie im Koalitionsvertrag festgelegt, in Ganztagsschulen umgewandelt.
Die Opposition und die Koalition bezichtigen sich gegenseitig der Lüge. Bildungssenator Reinhard Soltau (FDP) spricht von einer Verbreitung „vorsätzlicher Unwahrheiten” durch die Opposition. Christa Goetsch sagt, es sei eine „weitere glatte Lüge”, dass das Ganztagsschulprogramm wegen der anstehenden Wahlen geplatzt sei. Reinhard Soltau betont aber erneut, dass er bei einem so „weitreichenden Programm selbstverständlich das Wählervotum” abwarten wolle. Tatsächlich soll aber Ole von Beust (CDU) aufgrund der ungeklärten Finanzierung das Ganztagsschulprogramm mit den Worten „So geht es nicht” gestoppt haben. Das Ganztagsschulprogramm wurde dann kurzerhand auf später verschoben.
Die SPD und die GAL erklären unabhängig voneinander, dass man eine Bildungsoffensive für Hamburg starten müsse und dass noch dieses Jahr bis zu 15 Ganztagsschulen eingerichtet werden sollen. Ob diese Reform der Schulen noch finanziert werden kann, scheint angesichts der trüben Finanzlage Hamburgs zweifelhaft.
Die GAL rechnet immerhin vor, dass man die annähernd 400 fehlenden Lehrerstellen finanzieren könne bzw. nicht mehr voll besetzen müsse, wenn man die „aktive Einzelförderung schwächerer Schülerinnen und Schüler” verstärke und das „kostspielige und pädagogisch sinnlose Sitzenbleiben” abschaffe. Der Senat hingegen würde mit seinen Plänen Ganztagsschulen nur vortäuschen. In dem Schul-Konzept „9 macht klug” fordert Christa Goetsch „optimale Bildungschancen” für die Gesellschaft. Dies soll mit der vermehrten Schaffung von Ganztagsschulen erreicht werden. Angelehnt an das Schul-System in den skandinavischen Ländern sollen gute und schlechte Schüler zusammen neun Jahre zur Schule gehen und nicht "frühzeitig aussortiert" werden. Damit ist das in Deutschland übliche System der Einteilung in Realschüler - Hauptschüler gemeint. Ausserdem soll der Kultusministerkonferenz-Beschluss von 1993 aufgehoben werden, der alle Schulen zur Schulartensortierung der Schüler zwingt. Denn „die Kinder werden geprüft, um sich weiter zu entwickeln, nicht um aussortiert zu werden”.
Britta Ernst (SPD) weiß, warum vor allem jetzt Ganztagsschulen gebraucht werden. Denn mit der Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren würden die Schüler „ohne Ganztagsschulenangebot nicht genügend Unterrichtsstunden” bekommen. Der Unterricht müsste also auch Nachmittags stattfinden. Die SPD wolle das Abitur nach zwölf Jahren nicht wieder abschaffen, auch wenn es „auf der Kippe” stehe. Vielmehr solle es insbesondere in der elften Klasse eine „Unterrichtsverdichtung” geben. Britta Ernst möchte Realschülern die Möglichkeit offen halten aufs Gymnasium zu wechseln und beruft sich dabei auf die Pisa-Studie, die gezeigt habe, dass eine hohe Durchlässigkeit des Bildungssystems bessere Ergebnisse bringe.
Schulsenator Soltau versucht sich gegen die Opposition zu verteidigen. Ob er sein Amt nach der Wahl zur Bürgerschaft am 29.02.2004 behalten kann, darf bezweifelt werden, da die FDP nach aktuellen Umfragen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde. Also geht es jetzt um alles oder nichts: Wahlkampf!
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