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07.12.2004, 19:28 - doppelte Benachteiligung

GEW. Erziehung Wissenschaft
GEW: „Schulen sollen sich auf Weg zu integrativem System machen“ - PISA zeigt: eine neue Bildungsunterschicht entsteht

Als Konsequenz der Ergebnisse der neuen PISA-Studie hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Überwindung des gegliederten Schulsystems angemahnt. „Ohne einen Systemwechsel werden wir die doppelte Benachteiligung von Schülern aus sozial schwächeren Haushalten und Kindern aus Einwandererfamilien nicht ausgleichen können“, sagte GEW-Schulexpertin Marianne Demmer am Dienstag in Frankfurt a.M.. Am System herumzuwerkeln, helfe nur bedingt viel weiter.

Das auf Auslese ausgerichtete Schulsystem verdopple die Nachteile, die diese Kinder bereits von zu Hause mitbringen. „Unter dem Druck, die Schüler früh in Haupt-, Realschulen und Gymnasien einsortieren zu müssen, kommt die individuelle Förderung viel zu kurz. Wenn Mama und Papa nicht bei den Hausaufgaben helfen können, geht die Leistungsschere immer weiter auseinander“, betonte Demmer.

„Wir können und wollen das gegliederte Schulsystem nicht von heute auf morgen abschaffen. Wir müssen aber jetzt die ersten Schritte in Richtung eines integrativen Schulwesens bis Klasse 10 machen“, sagte die GEW-Schulexpertin. „Das längere gemeinsame Lernen allein ist zwar nicht ausreichend, aber notwendig, wenn Deutschland in den Kategorien Qualität der Leistungen und Chancengleichheit in die Weltspitze vorrücken will.“ Demmer unterstützte die Position von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), die die Abschaffung des gegliederten Schulsystems auf lange Sicht für notwendig hält.

Insbesondere die Hauptschulen müssten schnell grundlegend reformiert werden. Wenn der Befund des deutschen PISA-Koordinators Manfred Prentzel richtig ist, dass Kinder in den Hauptschulen fachlich nicht vorankommen, weil die Lehrer insbesondere soziale Probleme lösen müssen, dürfe das nicht folgenlos blieben. „Es ist verantwortungslos, sehenden Auges eine neue Bildungsunterschicht entstehen zu lassen: Fast ein Viertel der jungen Menschen hat wegen mangelhafter Lese- und Rechenkompetenzen keine Chance auf einen Arbeitsplatz“, sagte die Gewerkschafterin.


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